Geldverbrennung: Redesign ohne Analyse

Webseiten haben eine kurze Lebenszeit. Gründe für ein Redesign und Neuprogrammierung gibt es viele:

  • Neue Technologien
  • schlimmer noch: überholte alte Technologien
  • Leistungen und Angebote haben sich geändert
  • der neue Geschäftsführer muss eine Marke setzen…

Der Abschied vom Alten sollte gut geplant werden. Ein „alles neu und frisch“ als Ziel ist zu wenig, selbst wenn der derzeitige Auftritt weder ins Handy passt noch einen Kaufimpuls auslöst.

Der größte Wert, den die alte Seite besitzt, ist gerade ihr Versagen – denn das lässt sich messen. Und damit gewinnen wir Informationen darüber, was die Besucher nicht interessiert, wo sie „abspringen“.

Durch ehrliche Usabilitytests (also wenigstens ein paar typische User unbeeinflusst bei der Benutzung der Seite beobachten) und eine ausführliche Auswertung (mit Piwik oder Google-Analytics, je nach Projektgröße auch mit der Unterstützung durch einen Experten für diese Systeme) können wir jetzt noch erfahren, wo es hakt – und was für ein erfolgreiches Redesign der Website zweckmäßig ist.

Sind die nie benutzen Links, die Seiten, bei denen 90 % der Besucher aussteigen und das unverständliche (oder unauffindbare) Kontaktformular dann ausgemacht, so sollten sich die Planer des zu aktualisierenden Auftritts an die wesentlichen Fragen wagen:

Redesign-Frage 1: Was will mir die Seite überhaupt sagen?

Selbst in größeren Unternehmen ist das Angebot für alle Beteiligten so selbstverständlich, das vergessen wird, es zu erklären. Gute Texter lösen dabei auch das Problem, wenn sowohl neue Kunden als auch versierte Branchenkenner auf den Inhalt treffen – der Inhalt also weder banal noch überfordernd sein darf.

Redesign-Frage 2: Warum sollte das jemand wissen wollen?

In der Regel ist die Unternehmenswebsite mehr als eine bloße Selbstdarstellung – und auch die sollte noch der Frage folgen: Was kann den User daran interessieren? In der Regel wird ein Besucher auf die Seite stoßen, weil er eine Antwort, eine Lösung oder eine Inspiration sucht. Das sollte bereits beim Eintreffen erfüllt werden – sonst gibt es keine Weiter.

Redesign-Frage 3: Wie geht es weiter?

Aus lauter Angst, irgendeine Leistung, Abteilung oder Zusatzinformation zu kurz kommen zu lassen, werden gerne alle Wege auf der Startseite präsentiert. Das mag für die Fütterung der Suchmaschinen interessant sein (was auch eleganter geht) – für Seitenbesucher ist es ein Überangebot, dass ihn hilflos macht.

Natürlich kann man nie wissen, was ein bestimmter User auf der Seite sucht (ob er überhaupt etwas sucht), aber wir wissen relativ gut, was die meisten User suchen.

Dem speziellen Kunden den Weg zu erschweren (der aber wahrscheinlich bereit ist ihn zu gehen) richtet somit weniger Schaden an, als 90 % verwirrt vor überbordenden Menüs verhungern zu lassen.

Neue Zeiten, neue Designs

Mag sein, dass der alte Firmenauftritt in einer Zeit entstanden ist, als Menschen sich noch an eine Website setzten wie vor die Titelseite ihrer Tageszeitung – und erst einmal in Ruhe schauten, was sie dort erwartete.

Das hat sich dramtisch geändert. In kürzester Zeit müssen mehr Angebote gesichtet werden und die Aufmerksamkeitsspanne ist – überreizt von immer mehr Eindrücken – rapide gesunken.Damit gilt für die gesamte Seite (und nicht nur die Startpage), dass wenige, klare Inhalte den Besucher auf ganz wenige Themen leiten sollen. Die digRR-Startseite ist für Informations-Reduktion übrigens ein schlechtes Beispiel, hat aber als Magazin auch mehr mit der Zeitung als einem Verkaufsangebot zu tun. 

Wer nicht will, das sich Nutzer zwar irgendwie auf der Seite unterhalten, aber nicht zur Bestellung oder Kontaktaufnahme kommen, muss fokussieren.

Die Angst etwas zu vergessen sollte deshalb kleiner sein, als die Bereitschaft, Überflüssiges wegzulassen.