Achtsamkeit im Gründerzentrum

Ein Tag freudvollen Tuns

Muss Arbeit beschwerlich sein, muss man sein Geld „hart verdienen“ oder darf es freudvolles Tun sein, leicht und mit Tiefe? Fragen wie diese stellt das Netzwerk Achtsame Wirtschaft und bringt Interessierte in Kontakt, um Antworten und Wege zu entwickeln.

Das Netzwerk Achtsame Wirtschaft im Kölner Startplatz

Ein großer, leerer Raum, wie ihn der Kölner Startplatz vermutlich auch bei einer Open Space-Veranstaltung eher selten erlebt. Die Stammgäste, Co-Worker und Mieter der Gründerszene sahen verwundert durch die transparenten Felder in den Glastüren. Statt Tischen und Stühlen waren Kissen im Oval auf dem Boden angeordnet. Der Einladung zum zweiten Mindful Open Space in den Kölner Startplatz gefolgt sind über 30 Personen aus dem Kölner Raum und auch von weiter her, um Impulse zu erhalten, Erfahrungen zu teilen, Fragen aufzuwerfen und diese gemeinsam zu betrachten.

Achtsamkeit in Organisationen implementieren

Angeleitet wurde der Tag von der Arbeitsgruppe „Achtsamkeit in der Organisation“ und dem Gründer des Netzwerks, Dr. Kai Romhardt, der vor rund 20 Jahren durch Zweifel an seinem eigenen Weg als erfolgreicher Unternehmensberater im Feld des Wissensmanagements die buddhistische Achtsamkeitspraxis für sich entdeckte. Nach der Begrüßung und einer gemeinsamen Meditation berichteten Romhardt und die Mitglieder der Arbeitsgruppe von Ihrem Weg, mit behutsamen Interventionen und der eigenen kultivierten Praxis Achtsamkeit im Kontext von Wirtschaft und Unternehmen einzubringen. Im Anschluss konnten die Teilnehmer Themen formulieren, die sie in den Slots des Open Space vorstellen und diskutieren wollten.

Erholsam anders kommunizieren

Was passiert in der Kommunikation, wenn an die Stelle von „aktivem Zuhören“ und dem immer wiederkehrenden „Challengen“ fremder Standpunkte achtsamer Austausch tritt? Von Dr. Kai Romhardt eingeladen, diese Freude und Energie spendende Weise der Sprache zu praktizieren, übten sich die Teilnehmer in tiefem Zuhören und liebevoller Rede. Tief verankert in ihrem üblichen Business-Kontext und ihren Gewohnheitsenergien, war es für viele ungewohnt und erholsam zugleich, unterstützt durch die Gruppe immer wieder in Kontakt mit sich selbst und seinen wahren Bedürfnissen zu kommen. Freudvolles Tun trat an die Stelle von angestrengter Arbeit.

Vielfältige Impulse und Erfahrungen

Sozialarbeiter, Hochschuldozenten, Unternehmerinnen, Trainer, Coaches, selbstständige Unternehmensberater, angestellte Führungskräfte und Sachbearbeiter – mich selbst hat die Vielfalt im Teilnehmerfeld positiv überrascht. Umso weniger überraschte die große Bandbreite der Themen: Können Online-Trainings Führungskräften helfen, kurze Pausen zur Rekreation zu nutzen? Kann es gelingen, in Teams von innen heraus achtsame Strukturen aufzubauen? Wie gehen wir um mit unserem Scheitern? Brauchen wir ein Ethik-Siegel für Start-ups? Die vorgesehenen 20 Slots reichten kaum aus, allen Themen ein Podium zu bieten. In Kleingruppen erläutert, wurden die Fragen gemeinsam vertieft, Empfindungen ausgesprochen, Lösungsanstöße formuliert und Hindernisse beleuchtet.

Nach einem beeindruckenden Freitag voll nährender, positiver Energie und Commitment für eine einander zugewandte Weise des Wirtschaftens wünsche ich mir, möglichst viel davon in den kommenden Montag und die darauffolgende Arbeitswoche hinein zu retten.