Elektrisches Nähzeug

Cover Buch Wearables, Mann mit Rucksack mit blau leuchten Streifen, Blumenvase mit drei LEDs. Untertitel: Intelligente Kleidung selbst designen.
Foto: O'Reilly

Zu Recht fragt sich mancher, ob die populäre Smarthome-Entwicklung nötig sei. Kühlschrank und Klospülung zu vernetzen, nur weil es möglich ist, macht nur bedingt Sinn.

Nachvollziehbar ist dies vielleicht noch mit Blick auf Nerds, die sich originelle Fernsteuerungen für den Backofen zusammenlöten (auch wenn sie derweil die Pizza liefern lassen) – Hauptsache, sie haben eine Beschäftigung in ihrem Hobbykeller. Am wenigsten erwartet man diese Tüftler wohl an der Nähmaschine.

Tatsächlich hat sich dieser ratternde Apparat in den letzten Jahren wieder ins Herz der Do-it-yourself-Scene (DIY) zurückgelärmt und wird dort – ganz im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit – nicht mehr allein von geschickten Nachwuchsdesignerinnen sondern auch immer mehr von rein praktisch denkenden Kerlen verwendet.

Strom im Klettverschluss

So überrascht es kaum, dass mit der neuen Anwendergruppe auch neue Ideen in den Stoff kommen. Denn beim richtigen DIY geht es ja nicht nur um das preiswerte Selbermachen. Vor allem wird geschaffen, was es so noch nicht gibt. Elektronische Schalter, die durch leitende Fäden im Klettverschluss ersetzt werden zum Beispiel.

Der Zigarettenschachtelkleine Rasperry Pi Minicomputer, ursprünglich zum Lernen für mittellose Kinder entwickelt und enstprechend günstig, ist neben dem Arduino-Microcontroller eine perfekte Grundlage für komplexe Technik, die sich in Jacken, Schals oder Rucksäcken verstecken lässt. Leider haben wir bei unserer Recherche nichts über spezielle Bauformen gefunden – im Gespräch war einmal ein Micro-PC in flexibler Bauform, speziell für Wearables.

Das es da weit mehr Ideen gibt als den naheliegen integrierten MP3-Player, zeigen zahlreiche Projektseiten im Netz:

www.makeuseof.com/tag/5-wearable-projects-can-build-raspberry-pi/

www.raspberrypi.org/blog/tag/wearables/

create.arduino.cc/projecthub/projects/tags/wearables

Wer sich erst einmal mit den Grundlagen befassen möchte findet einen guten Einstieg – sowohl ins Elektronik-Basteln als auch ins Nähen – im O’Reilly-Handbuch Wearables mit Arduino und Raspberry Pi, dass verspricht, auch ohne Lötkenntnisse mit der Krawatte ins Netz zu kommen.

René Bohne gehörte u.a. zum Vorstand des „Freie Maker e.V.“ und beschäftigt sich beruflich mit StartUps im Bereich Smart Home und Wearables.

Lina Wassong ist studierte Bekleidungstechnikerin und brachte zahlreiche Anregungen aus San Francisco ein.