CSS-Grid: Ende oder Zukunft der Frameworks?

Weißes Stahlgitter vor grüngelbem Hintergrund mit Gitterschatten

Vor knapp zwei Jahren  entdeckte ich CSS Grid für mich. Immer auf der Suche nach Möglichkeiten, sich den wiederkehrenden Gestaltungs-Ärger vom Hals zu schaffen und die gedankenlosen Phantasien der webignoranten Designer umsetzen zu können, ohne über die Begrenztheit der Browserumsetzungen wahnsinnig zu werden, landete ich bei einen Vortrag zu den „neuen Gestaltungsrastern“.

Grid ist weit mehr als die (schon länger verwendbare) Flexbox-Lösung. Mit Grid ist fast jedes Design möglich und dabei sind Pixelexaktheit und  Responsivität nicht länger Gegenspieler.

Außerdem direkt an Bord: Jeder halbwegs zeitgemäße Browser (ja, auch wenn er ein Microsoft im Namen trägt) kennt Grid und interpretiert es richtig.

Endlich keine gigantischen Bootstrap- oder  Foundation-Pakete mehr einbinden! Und so schön die zwölfspaltigen Aufbauten für mich sind, so unverständlich blieben sie dann dennoch den (immer noch webunerfahrenen) Gestaltern.

CSS-Frameworks sind mehr als Spalten-Baukästen

Bei aller Begeisterung für die neue Freiheit wird allerdings schnell klar, an was man sich inzwischen gewöhnt hat.

Denn auch wenn die hohe Flexibilität der Grids mit ihren faszinierenden Anpassungsmöglichkeiten für alle erdenklichen Ausgabeformate bestechend sind, bleiben sie eben auch nur das: Gitter für das Web. Um dann das optimierte Verhalten der Layouts für die verschiedenen Medienformate zu erhalten, ist trotzdem wieder eine Menge Handarbeit gefragt.

Asynchrone Raster, ja sogar Überlappungen von Inhalten – das sind die großen Stärken von Grid.

Bei eher funktionsorientierten Seiten, die eine schnelle Umsetzung über Medienformate hinweg erfordern, bleiben die Klassiker unter den CSS-Frameworks ungeschlagen.

Denn nicht zuletzt ein ganzes Paket von Elementen (Formularklassen, Buttons, Boxen, Headerelemente etc.) kommt neben dem Spaltenraster frei Haus ins neue Webprojekt. Plus gebrauchsfertige Scripte für Modals, Slider und vieles mehr.

Das sieht dann zwar irgendwie immer gleich aus, aber oft will man ja gerade verständliche, gewohnte Elemente und Strukturen. Vor allem will man sie schnell und billig.

Verlässliche Spalten plus individuelle Elemente – aus der Wunschkiste des Webentwicklers

Natürlich ermöglichen die Frameworks auch heute schon individuelle Anpassungen und dank SASS und LESS lassen sich die Farben und Formen auch leicht zentral anpassen.

Dennoch bleibt eine höhere Vielfalt wünschenswert – für viele Entwickler heute ein Grund, eigene Bibliotheken zu entwickeln, die sie dann in verschiedenen Projekten wiederverwenden können.

Ein Grid-Basis-Set, angereichert um einige Pflicht- und Lieblingselemente kann hier schon ein guter Start sein. Zwar wiederholt sich das dann in gewisser Weise auch, aber der eigene Stil ist da etwas anderes als ein „typisches Bootstrapdesign“.

Doch nicht jeder Entwickler hat das ausreichende CSS-Knowhow, vor allem besitzen viele überhaupt kein Empfinden für Design. Wünschenswert wäre daher, dass sich hier möglichst bald neue Frameworks entwickeln. Mit einem Builder für die Grids, Basisdesigns für alle wichtigen Seitenelemente (wie man es aus Foundation und Bootstrap kennt), gleichzeitig allen ausgereiften Einbindungstechniken. Und die gängigen Scriptfunktionen. Eigentlich ein schönes OpenSource-Projekt für Entwickler und Designer, an dessen Ende dann auch einfache Einbindungen in gängige Content-Managementsysteme stehen könnte.