Skepsis und Optimismus: Energiewende in den USA

17. Juli 2009 | von Uli Bach | Rubriken: Zukunft

Robert F. Kennedy jr., Sohn des 1968 ermordeten US-Senators Robert F. Kennedy, steht den globalen Klimaschutzverhandlungen skeptisch gegenüber. Er sieht darin eher den fatalen nationalen Nutzen, den erforderlichen Klimawandel zu verzögern. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ fordert er, den Wandel um ein vielfaches schneller einzuleiten, wenn die Erderwärmung wirklich gestoppt werden soll. Zwar habe sich die neue US-Regierung unter Führung von Barack Obama wirklich zum CO2-Ausstieg entschlossen, dennoch seien die Hindernisse auf dem Weg dahin gewaltig. Die USA subventionieren derzeit noch Kohle, Atom und Öl mit fast einer Billion Dollar jährlich. „Wir vergessen immer die Kosten, die die Gesellschaft bezahlt: mindestens 100 Milliarden Dollar allein für den Schutz der Öltransporte durch den Golf. … Ich zahle jährlich 30 Dollar für meinen Angelschein, aber in 19 Bundesstaaten sind die meisten Fische nicht mehr ruhigen Gewissens genießbar. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe sterben etwa 60000 Amerikaner pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung, dazu kommen Therapiekosten und ausgefallene Arbeitsstunden. Das soll unsere billigste Form der Energiegewinnung sein?“
Der Umweltaktivist Kennedy setzt sich für ein 2,3-Gigawatt Solarthermiekraftwerk in Südkalifornien ein. Dessen Kosten betragen drei Fünftel der Ausgaben für ein Atomkraftwerk und genauso viel wie ein Kohlekraftwerk. Die Elektronen zur Energiegewinnung sind auf immer umsonst; die alten Technologien verschlingen stattdessen auch nach dem Bau weiterhin hohe Kosten.
Kennedy, der Umweltrecht an der Pace University in White Plains lehrt, fordert eine neue Industrie, in der Wirtschaft und Klimaschutz zusammen gehen. „Jedes Jahr leihen wir uns Hunderte Milliarden Dollar bei Staaten aus, die unsere Werte nicht teilen, um Hunderte Milliarden für den Import von Erdöl auszugeben. Etwa 700 Milliarden Dollar stünden uns zur Verfügung, wenn wir uns vom Öl befreien würden.“ In den Wüsten Nordamerikas könnte die gesamte benötigte elektrische Energie der USA produziert werden. Windstrom aus Norddakota, Texas und Montana wäre ebenfalls ausreichend. Allerdings ist das amerikanische Stromnetz rettungslos veraltet. Die Obama-Regierung müsste zunächst 150 Milliarden Dollar in ein jeden Amerikaner ereichendes intelligentes Stromnetz investieren: eines der erwähnten gewaltigen Hindernisse. Aber Kennedy ist optimistisch. Mit der ureigenen amerikanischen Grundhaltung des „Alles ist möglich!“ verweist er auf die ehemals utopisch scheinende Versorgung aller Haushalte mit Personal Computern. Und auf die vielen kleinen Umweltgruppen, die unermüdlich unterwegs sind, um Korruption lokaler Behörden und Politiker aufzudecken, denn: „Wo die Umwelt zerstört wird, da wird meist auch die Demokratie untergraben.“
Robert F. Kennedy jr. ist einer der prominentesten Ökoaktivisten in den USA. Sein 2005 veröffentlichtes Buch „Crimes Against Nature“ ist eine massive Abrechnung mit der Umweltpolitik von George W. Bush und erregte großes Aufsehen.

Quelle: DIE ZEIT – Nr. 26, 18. Juni 2009

Kommentare sind nicht möglich.