München wird frei
3. Oktober 2009 | von Stefan Schmidt | Rubriken: ZukunftIn München liefen die Uhren schon immer etwas anders. So wie sich die Stadtverwaltung aus der Abhängigkeit vom Microsoftkonzern befreite und die PC-Systeme auf das freie Betriebssystem Linux umstellte (ein Schritt, der für viel Aufregung sorgte), will die Stadt sich nun aus den Klauen der Energieriesen befreien.
Bereits Ende der 90er Jahre wurde Oberbürgermeister Christian Ude angegriffen, weil er – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen – die Stadtwerke Münchens nicht verkaufen wollte. Düsseldorf, Duisburg und Magdeburg verkauften ihre Stromerzeuger in dieser Zeit an die RWE, glichen ihre Schulden aus – und haben nun kaum noch Einfluss auf die Erzeugung ihres Stroms.
In Düsseldorf ist der Stadtrat heute zwar einstimmig gegen den von den Stadtwerken geplanten Bau des Kohlekraftwerks in der Lausward, aber gleichzeitig dabei auch völlig machtlos.
München dagegen begann, in die eigene Energierzeugung zu investieren.
Nach anfänglichen Verlusten sind die Münchner Stadtwerke heute ein autonomer Stromproduzent, der Gewinne einfährt und dabei vom umgebenden E.on-Netz unabhängig ist.
Inzwischen ist auch die Grüne Fraktion, Koalitionspartner im Münchner Stadtrat, zufrieden: Nicht zuletzt durch ihren Einfluss wird der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 17 Prozent ausgeweitet.
Beteiligungen an einem Offshore-Windpark ermöglichen es, fast die Hälfe der Münchner Haushalte mit regenerativem Strom zu versorgen.
Allerdings sind die Stadtwerke auch noch an einem Block des Atomkraftwerks Ohu beteiligt, der bis 2020 am Netz bleiben soll.
