Ein Tag im Leben des gläsernen Stromkunden

20. April 2010 | von Uli Bach | Rubriken: Zukunft

Außer Spesen nichts gewesen. Oder, ganz profan und ohne Reim: Nur Kosten, kein Nutzen. Worum geht es? Für Neubauten oder bei größeren Sanierungen sind sie seit Anfang des Jahres eine Pflichtveranstaltung. Bis 2022 sollen sie Teil sämtlicher Haushalte sein: sogenannte smart meter. Zu gut deutsch sind das intelligente Stromzähler. Den Einbaukosten und dem Einsparpotenzial von 5 bis 10 Prozent steht allerdings die ungeklärte Datensicherheit gegenüber: Die Zähler machen den Zahler gläsern.
Die Einbaukosten zahlt der Netzbetreiber. Von ihm kann jeder Stromverbraucher seit Anfang des Jahres rein rechtlich die Zählerinstallation verlangen. Er selbst muss dann nur eine Monatsmiete berappen. Einer der Haken dabei sind Altbauten. Da hier der Einbau freiwillig ist, zahlt der Verbraucher auch die Installationskosten. Weitere Haken: einheitliche Standards für die smart meter fehlen, viele Energieversorger sind noch im Pilotprojektstadium und die oben schon angesprochene Frage der Datensicherheit ist ungeklärt.

Wie sieht es überhaupt mit den Kosten aus? Yello-Strom, die Tochter von EnBW zum Beispiel bietet die Geräte bundesweit an. Für 79 Euro plus einer monatlichen Miete für den Zähler. Alternativ ist auch der Wechsel zu Yello möglich – aber nicht unbedingt preiswerter. Neben dem Einrichtungspreis von 79 Euro steigt je nach Postleitzahl auch die monatliche Grundgebühr um einige Euro. Beispiel Potsdam: Bei den Stadtwerken kostet die Grundversorgung monatlich 5,45 Euro, die Kilowattstunde 22,84 Cent. Mit dem smart meter von Yello steigt der Grundpreis auf 17,25 Euro und die Kilowattstunde auf 23,89 Cent. Das ist schon eine Ansage. Von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr gewährt Yello allerdings 1 Cent Rabatt. Da freut sich auch der Nachbar, wenn er nachts die Waschmaschine hört. Oder den Staubsauger… Aufs ganze Jahr gerechnet, wächst die Zusatzbelastung also schnell auf über 100 Euro. Bei all der Rechnerei bleibt die Einsicht: Geräte sparen keinen Strom. Auch dann nicht, wenn sie intelligent sind und smart meter heißen. Wer spart, ist und bleibt der Verbraucher durch sein Nutzerverhalten.

Immerhin: Wo früher eine rotierende Scheibe den aktuellen Stromverbrauch allenfalls erahnen ließ, zeigt der smart meter den Verbrauch taktgenau an. Über den eigenen PC kann so der persönliche Tages- oder Wochenverbrauch exakt abgelesen werden. Das sensibilisiert natürlich schon und macht vielleicht auch Lust auf die Suche nach so manch verstecktem Stromfresser. Über eines sollte man sich allerdings immer im Klaren sein: Nicht nur der Nutzer eines smart meters weiß jetzt am Abend noch, wann er morgens sein Frühstücksei gekocht und nachmittags nach dem Joggen geduscht hat: Das weiß dann auch sein Energieversorger. Der ist nämlich an genauen Verbrauchsdaten interessiert, kann sich so dem aktuellen Strombedarf anpassen und flexible Tarife anbieten. Pech nur für den Kunden: Sein Privatleben wird nachvollziehbar, und er selbst wird noch ein wenig gläserner. Experten, wie Dr. Alexander Dix, Jurist und Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, warnen, dass die derzeitigen Planungen für den Verbraucher nichts Gutes erahnen lassen.

Bevor man sich also ohne Not entschließt, einen smart meter zu installieren: Es geht auch ohne und vor allem viel einfacher. Zum Beispiel mit einem Blick auf die Internetseite www.test.de/spargeräte. Der Stromverbrauch von mehr als 700 Haushaltsgeräten ist dort kostenfrei abrufbar. Auch ein Austausch von Altgeräten macht schon viel aus: Bis zu 400 Euro, wie der Modellhaushalt der Stiftung Warentest zeigt. Und auch der Blick auf die Strompreise bundesweiter Ökostromanbieter kann sich in barer Münze auszahlen.

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