Gesparte Energie

Viele bedeutende Veränderungen vollziehen sich still. Und oft werden ihre Verursacher nicht erkannt und sogar wegen anderer Eigenschaften gescholten. Nehmen wir die Musik: Wegen ihrer mangelnden Stofflichkeit (und natürlich wegen rechtlicher Probleme) ist das MP3-Format nicht unumstritten. Doch nirgendwo findet sich eine Statistik, wieviele Tonnen CD-Material (inklusive der Energie zu ihrer Erstellung und Entsorgung) eingespart wurden.
Ebenso geht es dem Navigationsgerät: Während Kulturpessimisten noch jammern, das dem Autofahrer das natürliche Orientierungsgefühl verloren ginge (als ob mehr als die hälfte der Deutschen Autofahrer aus dem Kopf die Städte auf der Karte zuordnen könnten, die sie nach den Autobahnschildern anfahren), haben diese Satellitenempfänger wahrscheinlich mehr Sprit eingespart als alle Bemühungen um ein freiwilliges Tempolimit in den letzten 20 Jahren erreichen konnten.
Inzwischen haben die Hersteller von Navigationshilfen diesen Aspekt erkannt und erweitern ihre Geräte um Eco-Funktionen. Staumeldungen und andere Beeinträchtigung werden dabei selbstverständlich berücksichtigt. Doch vor allem mit Blick auf die Elektromobilität wird auch die Berücksichtigung von Steigungen und die – durch Bremsen – rückgewinnbare Energie berücksichtigt. Neueste Navigationsgeräte können die Fahrt so optimieren, dass die Batterie während der fahr so ideal nachgeladen werden kann, dass sich der halt an der nächsten Ladestation verzögert.

Algenzucht zu teuer

Algen als Lösung?
Biodiesel aus CO2 - zu teuer
Eigentlich eine gute Idee: Mit dem ohnehin lästigen CO2 aus Kohlekraftwerken füttert man Algen und gewinnt damit Biodiesel. So wird CO2 vorübergehend neu gebunden und wenigstens ein zweites Mal verwertet. Doch auch wenn Energieriese Vattenfall gemeinsam mit dem Algenzuchtbetrieb ecoduna aus Österreich eine Anlage eingeweiht hat scheint jetzt schon absehbar, dass diese Methode viel zu aufwändig und kostspielig ist.
Wie bei allen Verfahren, die das CO2 aus den Abgasen der Kraftwerke abscheiden sollen, ist der Wirkungsgrad denkbar schlecht. Etwa 20 Prozent des Wirkungsgrades gehen verloren, so dass für die gleiche Menge Energiegewinn wieder mehr Kohle verfeuert werden müsste.
Immerhin wollen die Österreicher nun Futtermittel, ökologisches Plastik oder Nahrungszusätze aus dem CO2 mit Algen erzeugen.
Und auch in Deutschland gibt es Versuche, das CO2 irgendwie zu nutzen: Das Kohlekraftwerk in Niederaußem bei Köln soll als Pilotanlage für die Herstellung von Schaumstoff genutzt werden. Allerdings werden hier gerade mal 0,05 Prozent des CO2 genutzt. Der Rest geht in die Luft.
In den USA sind die klimatischen Bedingungen – Licht und Wärme – besser, aber selbst hier sind die Kosten der Algenanlagen noch unwirtschaftlich.
Bereits seit 2008 wird die Algen-CO2-Technik als Innovation mit fraglichem Ergebnis bewertet. Bei 50 € Kosten pro Liter Biodiesel müsste der Benzinpreis noch ordentlich steigen, bis es sich lohnt.

Förderung von Elektroautos auf Sparflamme

Eine halbe Milliarde Euro war im Rahmen des Konjunkturpaketes II vor einem Jahr, 2009, angekündigt. Profitiert hat bisher vor allem der Daimler-Konzern, doch insgesamt bleiben die Förderungen weit hinter dem Ziel zurück. Erst 364 Millionen wurden, laut Antwort auf die Anfrage des SPD-Abgeordneten Hagemann an die Bundesregierung, bewilligt und gerade 107 Millionen Euro tatsächlich geleistet.
Ob das Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die deutschen Strassen zu bringen so erreicht werden kann, ist fraglich.
Kaufanreize, wie sie in den USA und anderen Staaten inzwischen Standard sind, werden von der Regierung bisher abgeblockt.
Nicht zuletzt deshalb werden Neufahrzeuge verschiedener Hersteller auch erst in diesen Ländern auf den Markt gebracht.
Neben Daimler (die auch den mit 7,7, Millionen Euro geförderten Evobus besitzen) und BMW wird vor allem das Fraunhofer-Institut gefördert.

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Solardächer in NRW illegal

Ein Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Münster schreckt die Besitzer von Solardächern auf: Die meisten dieser Anlagen in Nordrhein-Westfalen sollen ohne die erforderliche Baugenehmigung illegal sein. Die rein private Nutzung ist nicht genehmigungspflichtig, die meisten Anlagen speisen aber Strom ins Netz ein – und fallen damit unter die Genehmigungspflicht, weil die Nutzung des Gebäudes geändert würde. Solaranlagen seien in NRW demnach nur genehmigungsfähig, wenn mehr als die Hälfte des Stroms für den Eigenbedarf genutzt würde.
Auslöser des Prozesses war die Anlage einer Firma, die für 320.000 Euro in Solartechnik investieren wollte. Nun darf sie die Anlage nicht in Betrieb nehmen.
Waren Solaranlagen also in der Vergangenheit nicht Teil des Bauantrages bzw. besitzen eine eigene Baugenehmigung, haben die Besitzer nun ein Problem. Das Bauministerium muss nun handeln – hier wollte man ursprünglich nur die Auswüchse auf den Bauernhöfen einschränken.
Der Bericht der Münsterschen Zeitung dürfte in den nächsten Tagen für reichlich Unruhe sorgen.

Die verkaufte Zukunft

Kernkraft
Im Gestern verharrt - Bild: Stefan Schmidt / fotolia

Ein unklares Konzept für die Energiewende, aber eine sichere Zusage an die Atomlobby: Die Bundesregierung hält, was sie den Energieriesen versprochen  hat.

Bereits im Vorfeld der Entscheidung sorgten Studien für Stirnrunzeln, bei denen im Falle einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke auch in regenerative Energie investiert würde, bei einem geplanten Ausstieg aber nicht.

Zwar enthält der Masterplan (der allerdings auch von einigen regierungskritischen Experten für ein paar gute Ansätze gelobt wird) Offshore-Windparks, Elektromobilität und vor allem das überfällige Supernetz zur Stromverteilung – die Verlängerung der Laufzeit für deutsche Kernkraftwerke steht aber, wie in der öffentlichen Diskussion,  im Vordergrund.

Realisten wissen längst, dass ein Umbau unserer Energieversorgung nicht ohne die großen Energieerzeuger funktionieren wird. Das die Zugeständnisse nun so weit gehen, bedeutet mehr als einen Kompromiss. Die Altmeiler bis in die 40er Jahre weiterlaufen zu lassen, kann die Macht von RWE, Vattenfall, EnBW und e.on deutlich verstärken: Das Überangebot an „billigem“ Atomstrom (die Kosten für die unsichere Entsorgung müssen nicht die Verursacher sondern die Steuerzahler tragen) gefährdet die Investitionen der lokalen Stadtwerke in regenerative Energien. Nicht nur im Atomausstieg, auch im bereits eingeleiteten Energiewechsel werden manche Weichen zurück gestellt. Der freiwillige Ausbau in Wind und Sonne wird dürftig bleiben, solange die strahlenden Quellen sprudeln. Sogar die Investitionen in das ehrgeizige Desertec-Projekt sind gefährdet.

Wenngleich die Atomlaufzeitverlängerung nur eine von 39 Seite des Strategiepapiers enthält – sie ist einer der wenigen konkreten Punkte, die Alternativen sind vage formuliert, teilweise technisch fraglich und bestenfalls für die Talkshow-Flankierung geeignet. Ob sich daraus mehr entwickelt als der Zierrat für ein schmutziges Geschäft, werden die nächsten Jahre zeigen.

Enttäuschend ist, wie die Energiepolitik der schwarz-gelben Bundesregierung sich über die Mehrheit der Bevölkerung (die am Atomausstieg festhalten will) hinwegsetzt und damit auch die Energiedebatte auf das Steinzeitthema Kernkraft reduziert. Statt der deutschen Industrie einen starken Impuls durch echte Innovationen und mutige Entwicklungskonzepte zu geben, werden Geld, Know-How und Zukunft dem kurzfristigen Profitinteresse einer einzelnen Lobby geopfert.

Elektrisch geliefert

Mercedes bringt mit dem Vito E-Cell einen Lieferwagen auf die Strasse, der sich sehen, aber kaum hören lässt. Im Inneren des Vito-Transporters schnurrt ein Elektromotor, gespeist aus einem 500 Kilogramm schweren Akkupaket  im Boden des Wagens. Bei 360 Volt (dem europäischen ‚Drehstrom‘-Standard) sind diese nach etwa 6 Stunden geladen und reichen dann für 130 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt zwar nur 80 Stundenkilomter, aber das reicht für Stadtverkehr, die Lieferung auf dem Lande und auch mal für die Stadtautobahn.

Überhaupt ist der Lieferverkehr im Nahbereich die ideale Anwendung für diesen elektrischen Transporter. Und auch für Handwerker und lokale Dienstleister mit mittlerem Transportbedarf ist der leise schnurrende Mercedes ideal (zumal der Vito hier ohnehin verbreitet ist): In Werkstätten und Hallen ist meist Parkplatz in der Nähe einer Starkstromsteckdose vorhanden, zudem bleiben bei geregelten Arbeitszeiten überschaubare 6 Stunden für die Ladung. Vieles, das beim Privat-PKW noch unkalkulierbar ist, ist beim Firmentransporter kaum ein Problem.

Die Zero-Emission-Werbung ist natürlich nur dann stimmig, wenn 100% Ökostrom geladen wird. Doch selbst im Euro-Strommix entstehen nur 106 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer. Für einen Lieferwagen sehr vorbildlich.

Das der stille Vito in Anwohnerzonen und Innenstädten willkommener ist als der stinkende, dröhnende Dieseltransporter, dürfte klar sein.

Im Moment (2010) werden 100 Fahrzeuge getestet, im nächsten Jahr sollen es 2000 Stück werden. Das ist natürlich wenig – aber vielleicht fragt ein innovativer Flotten-Abnehmer hier für mehr Nachfrage. Spätestens in der nächsten Ölkrise hätte der die Nase sehr weit vorn.

Das ist der Gipfel: Mehr Elektromobilität

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Es klingt ja doch immer noch, als ginge es um ein hübsches Spielzeug. 65 Prozent der im Rahmen einer repräsentativen Erhebung der Unternehmensberatung Roland Berger befragten Deutschen fühlen sich schlecht über Elektroautos informiert. Immerhin würden 58 Prozent derjenigen, die überhaupt ein neues Auto kaufen wollen, bis zu 4000 Euro mehr für ein Elektromobil zahlen. Insgesamt ziehen 34 Prozent jener möglichen Autokäufer überhaupt den Erwerb eines Elektroautos in Betracht. Also gibt die Kanzlerin jetzt Gas! Am 03. Mai 2010 hat sie einen Gipfel einberufen, um mit Vertretern der Auto- und Energiebranche, der Wissenschaft und der Gewerkschaften über die Zukunft der Elektromobilität zu sprechen. Für dieses Thema reicht also der sonst so gern genommene runde Tisch schon nicht mehr aus. Wenn es nach der Bundesregierung gehen soll, dann huschen bis 2020 eine Million Elektroautos durch den Verkehr. Augenblicklich sind hierzulande erst knapp 2000 dieser Fahrzeuge unterwegs. Ein hehres Ziel also: Die Republik soll zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ werden. Dann aber auch los!

Die Konkurrenz schläft nicht.

China legt gerade einen höheren Gang ein. 2011 will der Batteriehersteller „Byd“ aus dem Reich der Mitte mit eigenen Modellen auf den europäischen Markt. In Deutschland tuckert derweil die Entwicklung so vor sich hin und Daimler, BMW und VW fordern lieber Förderung. Auch die Grünen verlangen 5000 Euro Zuschuss je Auto. Da allerdings stellt sich die Regierung quer: Im Konjunkturpaket II für 2009 bis 2011 sind bereits 500 Millionen Euro für die Erforschung von alternativen Antrieben vorgesehen. Also ist der Gipfel auch keine Finanztankstelle. Stattdessen ist die Gründung einer Nationalen Plattform Elektromobil beabsichtigt und Manager und Wissenschaftler sollen bis zum kommenden Herbst ein Strategiepapier entwickeln. Insgesamt setzt die Bundesregierung auf verschiedene Antriebstechniken für Elektroautos und will dabei keine bestimmte technische Entwicklung vorgeben.

Quelle: „Neue Westfälische“, 03.05.2010

Neue Kühltechnik für feuchte Heißgebiete

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Es klingt wie eine neue Art des Abhängens nach einer Trance-Techno-Party auf Ibiza: SolarChill. Doch weit gefehlt! Hinter dem hedonistischen Namen verbirgt sich eine neue und sehr pragmatische technische Entwicklung: SolarChill ist ein äußerst umweltfreundlicher Greenpeace-Kühlschrank, der stromnetzunabhängig allein mit Sonnenenergie Kälte erzeugt. Die Besonderheit des innovativen Eiskastens: Nach genauer Prüfung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) SolarChill für den Einsatz in Krisengebieten freigegeben.

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