Ökologische Geldanlage: Gutes Gewissen mit Profit?

25. April 2009 | von Stefan Schmidt | Rubriken: Basics, Wirtschaft

Wer noch nicht alles verspielt und verloren hat, fragt sich, wie er sein Geld in einen sicheren Hafen bringen kann.
Und wer neben unseren kleinen ökonomischen auch noch die großen ökologischen Probleme wahrnimmt, möchte beide gerne verbinden. Aber geht das überhaupt?

Ist die Ökoaktie ein profitabler Beitrag für eine bessere Welt? Oder lügt sich der Aktivist im Aktionär selbst in die Tasche?
Mit diesen Fragen hat sich unser Gastautor Hendrik Franz beschäftigt.

Lehmann-Zertifikate und Kaupthing-Tagesgelder lauten die Schlagwörter der täglich erlebbar gewordenen Gier an unseren Finanzmärkten. Die Schuldigen sind natürlich ‘die da oben’ und die unfähigen Bankmanager. Dafür streichen wir ihnen jetzt rigoros die Boni, bis selbst Herr Ackermann sich auf Knien rutschend bei jedem von uns persönlich entschuldigt hat.
Doch mal ehrlich: Wer hat denn in den letzten Jahren all die Geldanlagen gekauft, die jetzt als ‘unseriös’ und ‘windig’ abgetan werden? Haben Banker nicht eigentlich nur eine Nachfrage bedient? Die Nachfrage nach risikofreien Produkten, die trotzdem zweistellige Renditen garantieren? Haben nicht vielmehr zu viele ‘mündige’ Anleger nur zu gern an das Land, in dem Milch und Honig fließen, geglaubt? Geiz beim Geld ausgeben und Gier beim Geld anlegen! Beides finden wir total geil!
Einigen von uns scheint der Schuss aber nicht unbemerkt vor den Bug geknallt zu sein; es setzt ein vorsichtiges Nachdenken über die Funktionsmechanismen unserer Finanzwelt ein: so genannte ‘ethisch-ökologische’ Banken rühmen sich seit Wochen damit, nicht mehr nachzukommen mit der Bearbeitung von Neukundenanträgen.

Wie hältst Du’s mit den Mitteln?

Natürlich melden sich jetzt aufmerksame und kritische Geister mit der bekannten Behauptung, sie hätten ja schon immer alles vorher gewusst. Daher hatten diese sich bereits vor geraumer Zeit vorsorglich mit bunten Prospekten eingedeckt, auf denen blitz-blanke Windräder auf saftig-grünen, sonnenbeschienenen Wiesen dem Eigentümer dicke Gewinne versprechen. Ethisches Investment? Kennen wir alles schon. Schließlich will man im Wartebereich des Friseurs unseres Vertrauens beim Blättern zwischen ‘Spiegel’ und ‘Focus’ nicht nur mit unermesslichen Renditen, sondern auch mit einem guten Gewissen prahlen. ‘Ethische’, ‘grüne’, ‘ökologische’ oder sonst wie mit Gutmenschenadjektiven belegte Aktienfonds sind schon lange chic.
Doch was soll der verantwortungsbewusste Anleger von den Geschichten der Prahlhänse halten, die er da ungewollt beim Friseur aufschnappt? Ist buntes Prospekt gleich buntes Prospekt oder könnte es da etwa auch den einen oder anderen Unterschied geben?
Wie jedes ordentliche Diskussionsthema hält auch das ‘Ethische Investment’ eine Gretchen-Frage parat. Es ist dies die Frage nach der Mittelverwendung und das macht die Sache dann auch einigermaßen anspruchsvoll. Denn während konventionelle Investoren die drei Anlagemotive Rendite, Sicherheit und Liquidität unter einen Hut bringen müssen (man spricht salomonisch vom Magischen Dreieck der Finanzwirtschaft), will bei ethischen Investoren zusätzlich das Motiv der Mittelverwendung unter den engen Hut. Um das Gedrängel unter dem Hut im Rahmen zu halten, müssen konventionelle Investoren bspw. ein Stück Sicherheit außen vor lassen, wenn sie eine höhere Rendite erzielen möchten. Das wurde in den letzten Jahren zwar nur allzu gern verdrängt, wird aber aktuell von vielen Teilnehmern des großen Geldanlagespiels neu gelernt. Ethische Investoren hingegen beabsichtigen, ihre Mittel nur für ganz bestimmte Projekte oder Unternehmen zu verwenden. Dadurch müssen sie manchmal lukrative Investitionschancen ungenutzt lassen und können nur eingeschränkt Risikostreuung betreiben, worunter die Sicherheit der Anlagen leiden kann. Diese Punkte werden von großformatigen Werbeanzeigen gern geleugnet: ‘Gutes Gewissen und Rendite sind kein Widerspruch’ wird da entgegen jeglicher finanzwirtschaftlicher Logik postuliert.

Was macht die Bank mit meinem Geld?

Eines dürfte aber klar sein: Verlangt man von einem Unternehmen zu hohe Zinsen für die Kapitalüberlassung, dann sorgen hohe Kapitalkosten unter Umständen dafür, dass sinnvolle Projekte gar nicht erst zustande kommen. Andererseits kann durch eine geringere Renditeerwartung der Anleger die Realisierung bestimmter Projekte beschleunigt werden. Das ist nichts anderes als Subventionierung. Auch wenn dieses Wort in unserem Sprachgebrauch mittlerweile negativ belegt ist, ist daran nichts Schlimmes.
Müssen ethische Investoren also zwangsläufig verarmen? Ein Rechenbeispiel: Ein Anleger hat 5.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto und bekommt das mit 2% verzinst. Pro Jahr bedeutet das die astronomische Summe von 100 Euro als Zinsertrag oder, anders ausgedrückt, einmal im Monat ins Kino gehen. Müsste dieser Investor bei einem Verzicht auf diese 100 Euro kulturell verarmen, weil er sich den monatlichen Kinobesuch nicht mehr leisten kann? Wohl kaum, sonst hätte er nicht das Jahreseinkommen eines Hartz-IV-Beziehers auf dem Tagesgeldkonto gebunkert.
Wie kann ich aber wissen, was die Bank mit meinen 5.000 Euro macht? Die Beantwortung dieser Frage ist essentiell für das ethische Investment, denn die Transparenz eines Geldinstituts ist die Voraussetzung für die Kontrollierbarkeit der Mittelverwendung. Daran gemessen, scheiden konventionelle Banken als Partner beim Geld anlegen nach ethischen Standards aus. Wer weiß schon, was Deutsche Bank & Co. mit unseren Spargeldern so alles anstellen. Deutsche Institute zeigen zwar gern mit nacktem Finger auf die verschwiegenen und daher schurkenhaften Schweizer Banken, doch werden sie selbst erstaunlich kleinlaut, wenn es darum geht, über ihre Kapitalanlagen und Kreditvergaben zu berichten.
Gänzlich ohne ethischen Mehrwert sind meines Erachtens der Kauf von Aktien, ganz egal ob indirekt durch Beteiligung an einem Aktienfonds oder direkt durch ein eigenes Wertpapierdepot. Denn was passiert hierbei? Anleger A verkauft ein Papier, das ein Eigentumsrecht verbrieft, an Anleger B. Anleger B zahlt dafür Geld an Anleger A. Anleger B hofft jetzt, dass sich sein Investment Wert steigernd entwickelt, während Anleger A den Verkaufserlös dazu nutzt, seine große Liebe schick auszuführen. Die beteiligten Banken streichen zwei Courtagen (für Kauf und Verkauf) ein und freuen sich schon auf die meist jährlich anfallende Depotgebühr. Das Unternehmen jedoch, das das Papierchen ursprünglich einmal emittiert hatte und dessen Miteigentümer Anleger B nun ist, wird von dem ganzen Vorgang überhaupt nicht tangiert. Anders formuliert: Es hat genauso wenig ethischen Nutzen, Aktien eines Solaranlagenbauers zu kaufen, wie es unethisch ist, Aktien eines Rüstungsunternehmens zu erwerben. Natürlich werden einige Buffet-Anhänger jetzt lamentieren, dass die steigende Nachfrage nach einer Aktie zu einem steigenden Kurs derselben führt und mit einem hohen Aktienkurs wiederum eine Vielzahl positiver Wirkungen in Zusammenhang gebracht werden können: Imagegewinn sowie Werbung für das Unternehmen und seine Produkte. Außerdem können die Aktien als Währung bei Firmenübernahmen oder als Sicherheit für Kredite herhalten.

Und doch: Es gibt Alternativen

Naja, was Image und Werbung angeht, ist dies genauso wenig nachweisbar wie das entsprechende Gegenteil. Und zu Firmenübernahmen und Sicherheiten für Kredite könnten Frau Schickedanz und Frau Schaeffler sicherlich die eine oder andere Anekdote beisteuern.
Gibt es Alternativen? Zumindest einige Anregungen:
Wie wäre es mal wieder mit dem guten alten Sparbuch? Am besten bei einer Bank, die ihre Einlagen ausschließlich für die Vergabe von Krediten nach ethischen Kriterien verwendet. Dies sind in Deutschland die GLS Bank in Bochum sowie die Umweltbank in Nürnberg. Beide sind als Direktbanken bundesweit tätig und bezeichnen sich selbst als ‘ethisch-ökologische Banken’. (Ob ‘ethisch’ und ‘ökologisch’ unterschiedliche Sachen bezeichnen oder warum man sonst beide Begriffe einzeln aufführt, hat sich noch niemandem erschlossen, auf jeden Fall klingt es klasse!) Die GLS Bank vergibt Kredite breit gefächert an soziale, gemeinnützige und ökologische Projekte. Aufgrund ihrer anthroposophischen Wurzeln ist sie sehr stark in der Waldorfbewegung verankert. Sie setzt durch die quartalsweise Veröffentlichung ALLER an gewerbliche Kreditnehmer vergebenen Kredite bislang einen unerreichten Standard hinsichtlich Transparenz ihrer Geschäftstätigkeit. Die Umweltbank wiederum konzentriert sich auf erneuerbare Energien und nachhaltige Baufinanzierung. Durch diese Fokussierung ihrer Aktivitäten ist sie deutlich effizienter aufgestellt und bietet daher eine etwas höhere Verzinsung der Einlagen. Wie oben beschrieben ist das ja aber nicht unser Hauptentscheidungskriterium. Außerdem unterliegen die Einlagen bei der Umweltbank nur der gesetzlichen Einlagensicherung und sind daher nicht in voller Höhe gesichert. Ein nicht ganz unbedeutendes Kriterium in der heutigen Zeit.
Direktanlagen haben in den letzten Jahren zum rasanten Ausbau der Windenergie beigetragen. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Richtung Solar und Biomasse dürften sich hier auch künftig Möglichkeiten bieten. Wer sich nicht dem grauen Markt anvertrauen möchte, der kann sich auch beim Thema Direktanlagen von den beiden o.g. Kreditinstituten beraten lassen. Beide verkaufen in unregelmäßigen Anständen entsprechende Anteile.
Sonstige Alternativen gibt es eine Menge, der Fantasie sind hierbei kaum Grenzen gesetzt. ‘Investieren’ verlangt nicht immer nach Geld. Und ‘ethisches’ Investieren bietet als Gegenleistung viel höhere Werte als nur Zinsen, manchmal sogar ein ‘Dankeschön’. Spenden an gemeinnützige Organisationen sind durchaus auch Investitionen. Oder fragen Sie doch einmal im Kindergarten Ihres Sohnes nach, ob dort nicht irgendetwas gebraucht wird, bei dessen Beschaffung Sie behilflich sein können. Oder investieren Sie Zeit und engagieren Sie sich ehrenamtlich. Das gute Gewissen lauert an jeder Ecke und nicht nur in bunten Prospekten. Und das anschließende Prahlen fällt dann viel leichter.

Hendrik Franz ist Autor des Buches “Ethisch-ökologische Kreditinstitute. Vergleichende Analyse im deutschsprachigen Raum”, Vdm Verlag Dr. Müller, ISBN 978-3836402743cover-franz

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