Methan wird zum Energiespeicher

In nahezu jeder Diskussion zur Energiewende werden zwei Probleme genannt: Mangelnde Speichermöglichkeit für Sonnenstrom und Windkraft, vor allem aber den weiteren Bedarf von Erdöl für die Verbrennungsmotoren.
Natürlich wäre es ideal, mit dem Überangebot direkt die Batterien der Elektroautos zu laden – aber bis diese einen spürbaren Anteil im Verkehr gewinnen, werden noch Jahre vergehen. Zudem müsste der Strom immer noch sehr aufwändig ins Netz eingespeist und verteilt werden.

Erdgas ohne Erde

Solange die Straße den Verbrennungsmotoren gehört bietet sich aber eine andere Alterantive an: Erdgas. Das ist schon mal CO2-günstiger als Öl, ändert aber nichts daran, dass wir mit der fossilen Vergangenheit unsere Zukunft verheizen.
Aber was hat das mit regenerativer Energie zu tun?
Während der Wasserstoffantrieb mit all seinen technischen Problemen nie richtig an den Start kam, begann man 2009 Methan statt purem Wasserstoff zu nutzen.
Durch Elektrolyse wird zunächst Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der mit CO2 verbundene Wasserstoff kann als Methan (CH4) in das konventionelle Erdgasnetz eingespeist werden. Methan ist als Treibhausgas mehr als 20 mal schädlicher, wird ja aber nicht freigesetzt sondern später wieder als Energieträger verbrannt. Dabei bleiben wieder CO2 (das ja zuvor aus organischen Abfällen entstand) und Wasser übrig.
Ein Vorteil ist dabei, dass sich Methan einfach ins Erdgasnetz einspeisen lässt. Etwa 25 Milliarden Kubikmeter lassen sich so „zwischenlagern“, denn auch Erdgas wird heute in großen Speichern auf Vorrat gehalten.
Mehr als 30 % der etwa 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die in Deutschland jährlich verbraucht werden stammen aus Russland. Alleine zur Erhöhung der Versorgungssicherheit wäre ein höherer Anteil an „hausgemachtem“ Gas also wünschenswert. Erst recht, wenn es ökologisch unbedenklicher ist. Zudem kann man mit Erdgas Motoren betreiben.
Jetzt muss der an den Küsten und auf Dächern großzügig erzeugte Strom nur noch umgewandelt werden.

Audis Alternative

e-gas-Anlage in Werlte
Die e-gas Anlage von Audi in Werlte – Bild: Audi AG

Die erste großtechnische Methanisierungsanlage wurde kürzlich in Werlte (Emsland) von Audi, EWE Energie und der Stuttgarter ETOGAS GmbH (vormals SolarFuel) in Betrieb genommen. Das aus dem Biogas stammende CO2 wird mit Wasserstoff zu Methan synthetisiert. Dieses e-gas genannte Gas soll im industriellen Maßstab überschüssige Energie aus Wind und Sonne speichern.
EWE erzeugt im Emsland schon seit 2002 Biogas und mit ETOGAS wird das ganze nun aufgewertet – aber was will Audi in diesem Projekt?
Der Ingolstädter Autohersteller hat eine erdgasbetrieben Variante des A3 (Sportback g-tron) auf den Markt gebracht. Mit 3,5 kg e-gas pro 100 km kommen Fahrer damit auf 4 € Kosten. Das Gas für den Antrieb befindet sich dabei in zwei Flaschen unter dem Kofferraumboden und sollten für etwa 400 km reichen. Das in Werlte produzierte Gas reicht für den Jahresverbrauch von 1500 Audi A3 pro Jahr (ausgehend von 15.000 km).
Laut Audi produziert die Methanisierungsanlage im Emsland ca. 1000 Tonnen e-gas im Jahr. Das sind etwa 1,2 Millionen Kubikmeter – ein erster Schritt. Unsinn ist natürlich, dass dabei 2800 Tonnen CO2 gebunden werden, denn diese entweichen nach der geplanten Verbrennung ja wieder. Solange sie aber nicht aus fossilen Quellen stammen ist das nicht so gravierend.
Audi A3 Erdgas
Der A3 mit Gasantrieb – Bild: Audi AG