Erleuchtung im Birnenstreit

OSRAM LED-Leuchte
LED Superstar Classic Bild: OSRAM
Es gibt Licht am Ende des Tunnels, und diesmal wohl ohne Streit auszulösen, ob dieses Licht die Erlösung oder den Untergang bringt.

Die leidige Wahl zwischen Stromfresser und Giftmüll ist beendet
Ein dramatischer Einstieg zum Thema Glühbirnen (Lehrer: Nicht schreiben!). Aber der Streit um die alten und neuen Leuchtmittel hatte sich bereits über Europa ausgedehnt. Waren die klassischen Heizlampen, die in ihrer kurzen Lebenszeit nebenbei auch ein wohligwarmes Licht in unsere Stuben brachten doch kurzerhand von der EU verboten worden.
Wer nicht genug Lampen eingebunkert hatte musste fortan auf die kalten, flackernden Leuchtstofflampen setzen, die zwar deutlich länger hielten – aber bis auf den Arbeitsbereich eigentlich unerträglich waren. Vor allem aber: Sie enthalten Quecksilber und schaffen damit ein echtes Entsorgungsproblem. Das Energieproblem (das es ja eigentlich gar nicht gibt, aber das ist eine andere Geschichte) wurde mit einem neuen Müllproblem erkauft.

LED-Leuchten ohne Probleme
Wer heute die Lichtabteilung im Baumarkt betritt, wird ein rasant wachsendes Angebot an LED-Leuchten finden.
Und diese lassen tatsächlich hoffen: Denn die LEDs, die schon seit Jahren die Helligkeit und Lebensdauer von Taschenlampen extrem verlängert haben, sind inzwischen für den Einsatz in fast allen Leuchtenanwendungen einsetzbar. Durch Beschichtungen können angenehm empfundene Lichtfarben erzeugt werden (was etwas mehr Strom kostet als knallweißes Licht), spezielle LED-Leuchten sind sogar dimmbar.

Kein Warten mehr auf’s Licht
Hilfreich bei der Auswahl ist das Lampen-Navi der Energieagentur NRW. Denn nicht jede Leuchte ist ersetzbar, dafür gibt es bereits ein paar neue Formen, die auch neue Anwendungen ermöglichen.
Die Lebensdauer soll etwa doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Leuchtstofflampen sein, und durch den noch geringeren Stromverbrauch rentieren sich die zur Zeit noch deutlich höheren Anschaffungskosten zügig.
Ein weiterer Vorteil gegenüber Leuchtstofflampen: LEDs sind sofort hell und damit auch für Orte geeignet, an denen man nur kurz Licht benötigt. Laut Ökotest lässt die Helligkeit aber im Laufe der Lebenszeit nach.
Hersteller (Auswahl): Osram, Philips, Toshiba, Heitronic

Schlechtes Beispiel für Umweltpolitik

Das EU-Verbot für Glühlampen ab 2009 ist ein Beispiel für schlechte – aber typische Umweltpolitik.
Statt zunächst die Entwicklung attraktiver Alternativen zu fördern wurde mit einem schlecht vermarkteten Verkaufsstopp der Eindruck von Bevormundung erweckt.
Die in den ersten Jahren tatsächlich abschreckend kalten Leuchtstofflampen wurden nie wirklich akzeptiert (obwohl es im Laufe der Jahre angenehme Modell auf den Markt kamen, aber da war der Nutzer schon in der Trotzphase). Das alles hätte man noch als notwendige Zwangsmaßnahme akzeptieren können – jedoch ist der Nutzen dieses Zwangswechsels endgültig in Frage zu stellen, wenn man die ökologischen Folgen der quecksilberhaltigen Lampen einbezieht. Wen wundert es, das hier der Verdacht aufkam, die ganze Aktion sei eine versteckte Industrieförderung?

Das die Verbraucher den neuen LED-Leuchten mit ihrem deutlich höheren Einstiegspreis skeptisch begegnen ist zwar uneberechtigt, aber verständlich.
Eine Energie- und Umweltpolitik, die selbst kein großes Konzept zu haben scheint kann allerdings auch keine glaubwürdige Motivation zum intelligentem Energieverbrauch erzeugen.
Wenn die sparsamen LEDs in Zukunft weniger Strom verbrauchen mag das nett sein, doch solange dieser Strom aus fossilen Energien gewonnen wird, bleibt es eine Farce.

Stefan Schmidt