Rufer in die Wüste!
16. Juli 2009 | von Stefan Schmidt | Rubriken: Agro-Sprit, Basics, Sonnenenergie, Verkehr, Windkraft, Wirtschaft, ZukunftWenn irgendwo etwas irgendwie Neues entsteht, dann dauert es nicht lange, bis die Kulturpessimisten ihre Stimme erheben. Erst recht, wenn dieses Neue auch noch mit Technik zusammen hängt. Die Mahnung gegen einen allzu einfältigen Fortschrittsglauben ist sicher nicht falsch. Und auch die Tatsache, dass z.B. viele Atomkraftgegner kaum eine Vorstellung über die technischen Vorgänge in einem Atomkraftwerk haben, ändert nichts daran, dass die Risiken und Folgen der Uranenergie untragbar sind.
Die zunehmend lautere Kritik am Desertec-Projekt nimmt allerdings immer mehr bizarre Züge an. Allen voran schreibt eine Tageszeitung aus dem Süden unseres Landes verstärkt gegen die großflächige Nutzung der Sonne an: Da wird die technische Anfälligkeit des System bekrittelt und man fragt, wieso die Energieriesen auf 15 % des heimischen Marktes verzichten sollten. Aber, so könnte man zurückfragen, worauf verzichtet ein Unternehmen denn, wenn es in das überaus gewinnträchtige Desertec-Projekt einsteigt? In eher feuilletonistischer Manier wird dann in der gleichen Zeitung noch über die koloniale Landnahme in Nordafrika sinniert.
Desertec verbindet ausschließlich erprobte und funktionierende Technologien. Ohne dies zu berücksichtigen, vergleicht man die dahinter stehende Idee mit den absurdesten Vorhaben aus der Frühzeit der Industriealisierung. Die Entwicklung von Eisenbahn, Versorgungs- und Computernetzen hätte es demnach niemals geben dürfen.
Auf einen Zeitraum von 40 Jahren verteilt, erscheinen die zunächst gewaltig anmutenden Projektkosten von 400 Milliarden Euro bei weitem nicht so dramatisch. Sie eignen sich dann aber auch nicht mehr für schnelle Kritik.
Die gleichen Mahner, die zurecht darauf hinweisen, dass Afrika den Anschluss an die westliche Welt verliert, warnen nun vor einer Gefährdung der Energieversorgung gerade seiner, bedingt vor allem durch Armut, politisch instabilen Länder. Deren Beständigkeit wird aber wahrscheinlicher, wenn die nötige Energieversorgung und damit eine überhaupt erst ökologisch tragbare Industriealisierung des afrikanischen Kontinents denk- und realisierbar wird.
Man kann oder will anscheinend auch nicht sehen, dass die wirtschaftliche Verbesserung für die Menschen in Afrika eine echte Alternative zur Armutsflucht ist. Dem Hinweis auf diesen Aspekt wird im Gegenteil noch Rassismus als Motiv unterstellt.
Die rasant wachsende Weltbevölkerung gerät immer mehr in Not. Beim Desertec-Projekt geht es nicht um die Spinnereien irgendwelcher Ingenieure, sondern darum, die Energieversorgung der Welt langfristig auf einen sicheren Boden zu stellen.
